1.1 Ein integrierter Ansatz sozialer Schließung (Wright)

Wright formuliert mit dem Konzept des „Pragmatist Realism“ (S. 101) einen integrierten Ansatz, der marxistische Klassenanalyse und Webers Theorie der sozialen Schließung (sowie deren Anwendung im „mainstream stratification research“) verbindet. Dadurch soll ein umfassenderes Verständnis dafür entstehen, wie soziale Ungleichheit in kapitalistischen Gesellschaften sowohl auf der Mikro- als auch auf der Makroebene hergestellt und stabilisiert wird. Im Zentrum steht, unterschiedliche Mechanismen der Ungleichheitsreproduktion zu identifizieren und ihre kausalen Beziehungen zueinander sichtbar zu machen. Um diese Mechanismen systematisch zu ordnen, clustert Wright soziologische Theorien, die unterschiedlich starke kausale Annahmen über Herrschafts- und Ungleichheitsbeziehungen treffen, in drei Ansätze. Erstens den Ansatz „Attribute und Konditionen“ (vgl. S. 102ff.), wie er in der Stratifikationsforschung verbreitet ist: Klassen werden hier über individuelle Attribute und materielle Lebensbedingungen bestimmt; Klasse(AuK) meint ökonomisch bedeutsame Merkmale, die Möglichkeiten und Entscheidungen von Menschen in einer Marktwirtschaft prägen, und lässt sich auch als Ressourcen-Cluster beschreiben (Wright verweist dabei u.a. auf Bourdieu). In der Diskussion wird jedoch (u.a. von Sebastian) kritisch angemerkt, dass dies Bourdieu möglicherweise verkürzt, weil Bourdieu Klassenunterschiede relationaler konzipiere, als es diese Lesart nahelegt. Zweitens fasst Wright „Opportunity Hoarding“ (vgl. S. 104ff.) in Anlehnung an den weberianischen Schließungsansatz: Entscheidend ist, wie bestimmte soziale Positionen einigen Akteur*innen Zugang zu ökonomischen Ressourcen und Chancen eröffnen, während andere davon ausgeschlossen werden. Klasse(OH) ist entsprechend über Zugang bzw. Ausschluss von ökonomischen Gelegenheiten definiert; Schließungsprozesse wirken dabei über institutionelle Vorrichtungen wie Akkreditierungen, Lizensierungen und insbesondere Privateigentumsrechte an Produktionsmitteln. Aus dieser Perspektive erscheint die grundlegende Klassenunterscheidung zwischen Kapitalisten und Arbeitern als besondere Form des Opportunity Hoarding, die durch Eigentumsrechtsregeln abgesichert wird. Drittens greift Wright den marxistischen Strang „Ausbeutung und Herrschaft / Exploitation and Domination“ (vgl. S. 107ff.) auf: Klassen(EaD) sind durch Mechanismen strukturiert, die bestimmten ökonomischen Positionen Macht über das Leben und die Aktivitäten anderer Akteure verleihen. „Domination“ bezeichnet die Fähigkeit, das Leben und Handeln anderer zu kontrollieren, während „Exploitation“ die Aneignung ökonomischer Vorteile auf der Grundlage der Arbeit derjenigen meint, die dominiert werden; entsprechend impliziert jede Form von Ausbeutung auch Formen von Herrschaft.